Energiestandards

Niedrigenergiehaus (BRD)

Das Niedrigenergiehaus war ein von 1995 bis 2001 öffentlich-rechtlich definierter Energiestandard, mit dem die Wärmeschutzverordnung von 1995 (WSVO 95) um mindestens 30% unterschritten werden musste, um in den Genuss einer staatlichen Förderung zu kommen.  
Mindeststandard WSVO 95 war ein Heizwärmebedarf von ca. 100 kWh/m².a.
Hinweis zur Heizwärme: Die Energiebezugsfläche An wird aus dem Bruttovolumen ermittelt und kann 30-50 größer sein als die reale Wohnfläche nach Wohnflächenberechnungsverordnung!!

Energiesparhaus (BRD) 2002-2006

Mit der Einführung des Bilanzierungsverfahrens nach Energiesparverordnung 2002, kurz EnEV 2002, wurde das Niedrigenergiehaus in wesentlichen Eigenschaften zum Mindeststandard erklärt (Heizwärmebedarf ca. 75 kWh/m².a, am Referenzstandort Würzburg) 2004 wurde durch die KfW-Bank, für die Förderung energetisch verbesserter Gebäude das Energiesparhaus als neuer Begriff eingeführt. Erstmals gab es das Energiesparhaus 40, kurz KfW 40-Haus, höchste Förderstufe im Neubau (Heizwärmebedarf ca. 40 kWh/m².a). KfW 40 bedeutet die Unterschreitung der Anforderungen der EnEV 2002 um >=60%.

Effizienzhaus (BRD) 2007-2008

2007 wurde die ab 2002 geltende Verordnung um ca. 25% verschärft (Heizwärmebedarf ca. 60 kWh/m².a, am Standort Würzburg).
Mit der EnEV 2007 wurde von der KfW-Bank das Effizienzhaus erstmals eingeführt und löste damit das Energiesparhaus als Begriff für förderbare Projekte ab. Höchste Förderstufe wurde jetzt das  Effizienzhaus 40 im Neubau (Heizwärmebedarf ca. 25 kWh/m².a). Höchste Förderstufe in der Sanierung wurde das Effizienzhaus 55 (Heizwärmebedarf ca. 35 kWh/m².a).

Effizienzhaus (BRD) 2008-2015

2009 wurde die ab 2004 geltende Verordnung um durch die Umsetzung der Vorgaben aus der EU-Gebäuderichtlinie verschärft. Hinsichtlich der Energiebilanz hatte die EnEV 2009 nur geringe Verbesserungen. (Heizwärmebedarf ca. 60 kWh/m².a, am Referenzstandort Potsdam).
Was sich im Wesentlichen änderte, war das Bilanzierungsverfahren durch die Einführung eines neuen Standorts, des Referenzgebäudeverfahrens zur Vorgabe der einzuhaltenden Maximalwerte, die Verbesserung der Energieausweise und deren Pflicht zur Vorlage bei Vermietung/Verkauf,  bzw. Nennung wesentlicher Kennwerte bei der Bewerbung.
Höchste Förderstufe bleibt das Effizienzhaus 40 im Neubau (Heizwärmebedarf ca. 25 kWh/m².a), bzw.  in der Sanierung das Effizienzhaus 55 (Heizwärmebedarf ca. 35 kWh/m².a)

Effizienzhaus (BRD) 2016-heute

2014 wurde beschlossen die EnEV 2009 zu verschärfen. Ab 1.01.2016 wurden die Anforderungen der neuen EnEV 2014 an den Primärenergiebedarf um 25%, an den Transmissionswärmebedarf um 20% verschärft (Heizwärmebedarf neu ca. 45 kWh/m².a, am Standort Potsdam). Die Basis der Verbesserungspotentiale zur EnEV blieb nach wie vor die EnEV 2009 ! Höchste Förderstufe bleibt das Effizienzhaus 40 im Neubau (Heizwärmebedarf ca. 25 kWh/m².a), bzw.  in der Sanierung das Effizienzhaus 55 (Heizwärmebedarf ca. 35 kWh/m².a). Neu war die Einführung des Effizienzhaus 40 Plus !

Effizienzhaus 40 Plus (BRD) 2016-heute

Aufbauend auf einem umfangreichen Forschungsprogramm zum „Effizienzhaus Plus“ wurde basierend auf der EnEV 2014, ab 2016 das durch KfW-Mittel förderbare Effizienzhaus 40 Plus eingeführt. Der höhere Investitionsaufwand in die „Plus“-Technik wird durch höhere Zuschüsse abgefedert. Erhöhte Anforderungen an die Effizienz der Gebäudehülle gibt es nicht. Grund für das Forschungsprogramm war die Prüfung, wie die EU-Gebäuderichtlinie national umgesetzt und ein nationaler Standard festgelegt werden könnte. Das Effizienzhaus 40 Plus wird heute als Mindeststandard  ab 2021 von Energieberatern und Klimaaktivisten erwartet. Zu Beginn der EU-Richtlinie 2010 wurde davon ausgegangen dass das Passivhauses, z.B. mit PV-Dach, als Plusenergiehaus, Basis der Richtlinie sein würde!!

EU-Gebäuderichtlinie 2010/2018, gültig ab 2020/21

Die seit 2010 gültige und 2018 ergänzte Gebäuderichtlinie beschreibt als Ziel ein effizientes, ressourcenschonendes Gebäude, das möglichst wenig Energie verbraucht, möglichst regenerativ versorgt wird und einen wesentlichen Anteil der notwendigen Energie ortsnah, selbst erzeugt.

Die Richtlinie ist bis 2020 in allen öffentlichen und bis 2021 in allen anderen Neubauten, von den EU-Ländern national umzusetzen. Mit der zu erwartenden EnEV 2021, bzw. dem Nachfolger der EnEV dem Gebäudeenergiegesetz GEG 2021 sollen die EU-Anforderungen in der BRD umgesetzt werden.

Stand Sommer 2018, ist als Mindeststandard ein EnEV-Heizwärmebedarf <40 kWh/m².a zu erwarten, was dem KfW-Effizienzhaus 55 nach EnEV 2009 entspräche und nur aus der Verschärfung der Primärenergieanforderung zur aktuellen EnEV 2014 resultieren wird. Verbunden mit den Erfahrungen aus der Effizienzhaus Plus Forschung sowie mit dem Effizienzhaus 40 Plus wird es vermutlich eine Mischung der Anforderungen auf kleinstem gemeinsamem Nenner der Beteiligten in der BRD und in Europa geben.

Aktuelle Bezeichnung für dieses Plus-Gebäude nach GEG 2021 ist momentan das „Niedrigst-Energie-Gebäude“, bzw. international  „Nearly-Zero-Energy-Building“ kurz NZEB!

Es gibt massive Widerstände aus der Immobilien- und Baubranche eine Verschärfung einzuführen!

Grund: Die Bauland- und Baukosten sind bedingt durch die Nachfrage, seit 2010 deutlich und seit 2015 sogar massiv gestiegen. Das Zinsniveau und die Risiken des Aktienmarktes führen zu scheinbar besseren Anlagen in Immobilien. Die Energiepreise sind seit 2008 deutlich gefallen und waren über Jahre auf relativ niederem Niveau, was die Wirtschaftlichkeit zusätzlicher Investitionen in die Energieeinsparung mittelfristig gesehen verschlechtert. Trotz der in Paris vereinbarten Klimaschutzziele und den nationalen Zielen bis 2050, die eine Absenkung des Energiebedarfs in allen Gebäuden (Neubau + Bestand) um mindestens 50% bedeuten, ist es momentan sicher, dass die ab 2020/21 geltende Verordnung, in welcher Form auch immer, nicht dazu beitragen wird, die Mindestziele des notwendigen Klimaschutzes zu erreichen ! Das ist leider eine Tatsache, begründet durch eine Vielzahl seröser Studien über mögliche Energieszenarien bis 2050.

Zero-Carbon / Net Zero / Nullemissionsgebäude?

Diese Begriffe sind irreführend, da sie in der Regel sich allein auf den Primärenergiebedarf zur Herstellung der notwendigen Energie und weniger auf die Energieeffizienz, also den Verbrauch des Gebäudes beziehen. Gekoppelt mit der Energieeffizienz machen die Begriffe Sinn, es liegt jedoch an der jeweiligen Definition!!

Grundsatz für zukunftsfähige Gebäudekonzepte muss sein, minimal Energie zu verbrauchen, das Wenige möglichst regenerativ und wenn möglich selbst erzeugen! Wer den Gesamtenergieaufwand für eine Gebäude auf einen Lebenscyclus von mindestens 50 Jahren rechnet wird feststellen, dass der Unterhalt für Wärme und Strom >70% Anteil im Lebenscyclus  ausmachen! Vorrang bei allen Konzepten sollte daher sein, möglichst wenig Energie im Unterhalt zu verbrauchen, daher ist längerfristig betrachtet jede Investition dazu wirtschaftlich und macht im Wesentlichen unabhängig vom Energiemarkt! 

Plus-Energie-Haus

Dieser bereits 2000 vom Freiburger Architekten Disch geschaffene Begriff wird gelegentlich verwendet, ist jedoch geschützt und darf allgemein nicht verwendet werden. Er beschreibt darin ein Gebäude das mindestens so viel Energie erzeugt, als es insgesamt (für Wärme+Strom) verbraucht. Konsequenterweise wurden die Plusenergiegebäude von Disch von Beginn an nicht nach EnEV-Standard, sondern nach dem Passivhausstandard berechnet, konzipiert und verwirklicht.

Einfaches und logisches Prinzip des Plusenergiehauses, wie wir es verstehen und umsetzen: Möglichst wenig verbrauchen, um möglichst wenig erzeugen, speichern, verteilen zu müssen, das bei höchstem Wohnkomfort in Sommer und Winter, bester Wertentwicklung der Immobilie, bei geringstem Unterhalt !

Passivhaus (classic)

Mit dem 1991 ersten Passivhaus hat das Passivhaus Institut mit Prof. Wolfgang Feist Zeichen gesetzt, was technisch und wirtschaftlich im Bauen und Sanieren möglich und notwendig ist. Der Begriff Passivhaus wurde bewusst nicht geschützt, um den Zugang offen für die Entwicklung und die Partner am Markt zu halten. Zur Qualitätssicherung des Begriffs wurden Zertifizierungsverfahren für Produkte, Gebäude und letztlich auch für Planer und Ausführende eingeführt, die sich bewährt haben und zu einem enormen Qualitätsschub am Baumarkt in allen Bereichen über die letzten >25 Jahre geführt hat.

Ob einem der Begriff gefällt oder nicht, es gibt vom Wohlbefinden nichts Angenehmeres und seitens des Unterhalts nichts Wirtschaftlicheres, wenn sich ein Gebäude mit wenig Aufwand, nahezu passiv beheizen und kühlen lässt.

Das Bilanzierungsverfahren unterscheidet sich deutlich von dem der EnEV-Bilanzierung, was dazu führt dass die nach Passivhaus-Bilanzierung (PHPP-Programm) berechneten und letztlich qualitätsgesichert ausgeführten Gebäude die erwarteten Eigenschaften und Verbräuche tatsächlich aufweisen. Wesentlich dafür sind der reale Standort (mit allen Vor- und Nachteilen der Lage), der Flächenbezug zur Wohnfläche, eine realitätsnahe genauere Berechnung der Energiegewinne und -verluste sowie die verbesserte Qualitätssicherung in der Planung, Ausführung und Nutzung durch die obligatorische Zertifizierung. Beim PH wird grundsätzlich der gesamte Energiebedarf des Gebäudes bilanziert und bewertet, nicht wie in der EnEV nur die Wärme mit notwendigem Hilfsstrom.

Es gibt eine Reihe von Anforderungen des Passivhauskonzeptes einzuhalten, die Bekannteste ist der Heizwärmebedarf Qh < 15 kWh/m².a.

Das gleiche Gebäude würde nach EnEV berechnet einen spezifischen Heizwärmebedarf von 0 - 10 Kwh/m².a aufweisen, es können durchaus auch negative Ergebnisse erreicht werden, damit keine belastbare Aussage über den zu erwartenden Wärmeverbrauch gemacht werden kann !!  Je effizienter Gebäude und je höher die Anforderungen sind desto stärker kommen die Unzulänglichkeiten der Bilanzierung nach EnEV zu Tage und zeigen sich deutlich die Stärken der PHPP-Bilanzierung.

Passivhaus/EnEV

Wir verwenden die EnEV-Bilanzierung als öffentlich-rechtliches Verfahren regelmäßig zur Bestimmung der KfW-Förderhöhen und für die Anträge, sowohl für Wohn- Nichtwohngebäude und Denkmäler! Grundsätzlich wird die höchstmögliche Förderung für Neubauten und Sanierungen gesucht. Entwickelt werden unsere Gebäude in Neubau und Sanierung in aller Regel nach Passivhauskriterien und -technologien, im Besonderen dann, wenn Investoren belastbare Angaben zu Verbräuchen, Kosten und der Wirtschaftlichkeit erwarten. Ob es am Ende ein zertifiziertes Passivhaus wird, ist dabei nicht die Frage, sondern daß die Investition für den Bauherren nachhaltig wirksam und leistbar bleibt, was in aller Regel bei ständig beheizten, bzw. gekühlten Gebäuden den PH-Standard ergibt.    

Unser Prinzip: Wer gelernt hat nach Passivhausprinzipien zu handeln, eindeutig und vorrangig zum Nutzen des Bauherren, wird nicht mehr schlechter bauen und sanieren wollen ! Besser bauen und maximal die Förderungen nutzen!

Passivhaus Plus, Passivhaus Premium

Das 2015 vom PHI eingeführten PH Plus + Premium beruhen auf einer Denk- und Handlungsweise, mit der Bauherren in der Lage sind, in ein nachhaltiges Gebäude zu investieren, das die EU-Gebäuderichtlinie, auf dem ursprünglich geplanten, hohen Niveau wirtschaftlich erreicht und damit einen echten Beitrag zum Klimaschutz liefert!  Jede Form von Energie wird hier als Primärenergie bewertet, soweit der Energiebedarf 20 kWh/m².a nach PHPP übersteigt. Plattform für die Plus- und Premium-Gebäude ist das Passivhaus classic als Mindeststandard. Die auf dem Grundstück erzeugte regenerative Energie wird, soweit nutzbar, in der Bilanzierung berücksichtigt. Je nach Standort und Versorgungsstruktur, entsteht dann ein PH Plus oder Premium.

Damit steht ein „ehrliches“ Plusenergiekonzept zur Verfügung, das entsprechend den Erfahrungen im Passivhaus letztlich hält was es verspricht und einem Monitoring der realen Verbräuche im Abgleich zur Planung standhalten kann.  

Herz & Lang realisiert seit 2006 private Wohnbauten im Passivhaus Plus Standard. 2015 wurde das erste Passivhaus Premium weltweit von uns zertifiziert, im gleichen Jahr auch unser erstes PH Plus.   

EnerPHit

EnerPHit ist ein zertifiziertes Sanierungskonzept das offen für alle Bestandsbauten bis hin zum Denkmal ist. Das Knowhow aus dem Passivhaus mit seinen  hocheffizienten Lösungen und Komponenten findet hier Anwendung ! Warum PH Technologie im Altbau?

90% des Energiebedarfs von Gebäuden in der BRD entsteht im Bestand! Der effektivste Ansatz im Klimaschutz und zur Leistbarkeit von Wohnen in der Zukunft ist die Sanierung mit hoher Energieeffizienz. Die restlichen 10 % macht der Neubaubestand ab 2002 aus. Für ein saniertes Gebäude nach EnerPHit wird der Heizwärmebedarf < 25 kWh/m².a (PHPP) limitiert.

Die Sanierung kann auch Schritt für Schritt erfolgen, jedoch mit Gesamtplanungskonzept nach EnerPHit-Kriterien.

Grundsatz: Die allgemein übliche Sanierung mit mittlerer Qualität, in den marktüblichen Standards, wird freiwillig deutlich  verbessert, um Gebäude fit und wirtschaftlich für mindestens 50 Jahre zu machen und damit künftige Sanierungszyklen zu überspringen. 2012 wurde unser erstes nach EnerPHit geplantes Gebäude zertifiziert.

Ausblick

Zur Erreichung der nationalen Klimaschutzziele (-80%CO2 bis 2050) müssten ab sofort alle Neubauten im Passivhausstandard gebaut und die Sanierungen auf Neubaustandard EnEV 2014, idealerweise im EnerPHit-Standard erfolgen, wenn die Sanierungsrate (2017 <1%) nicht vervielfacht werden kann!

Es liegt an jedem einzelnen Bauherren an die Zukunft zu denken, verantwortlich zu handeln und mehr zu tun als die Mindeststandards vorgeben, wenn man aktiv etwas gegen den Klimawandel und die Risiken für unsere Lebensqualität und die unserer Nachkommen tun will.

Wir helfen Ihnen gerne das machbar zu machen!

Abseits aller Begriffe, hat das „Haus der Zukunft Plus“,
ob neu oder alt, folgende positiven Eigenschaften:

Gute Architektur- und Nutzungsqualität
Nachhaltigkeit in Bauweise und Betrieb
Wohngesundheit und Lebensqualität
Wohnqualität durch Komfortlüftung
Leistbarkeit und Werthaltigkeit
Dauerhaft geringer Energiebedarf
100 % Nutzung regenerativer Energie
Energieerzeugung am Standort
Energiespeicherung und intelligente Verteilung
Max. Energie-Eigennutzungs-, bzw. -Autarkiegrad
Elektromobilitätskonzept, Ladestellen vorhanden
Förderungen werden maximal genutzt